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Geburt von Lucy Jennifer am 06.11.2016

"Die Geburt unserer Tochter Lucy Jennifer am 06.11.2016 um 7.34 Uhr:
Wenn ich an diesen Tag zurück denke, jetzt sind es fast fünf Wochen, wird mir immer wieder bewusst, wie wichtig es war (für mich, für mein Kind und sicher auch für meinen Mann), DASS die Geburt unseres Kindes im Geburtshaus statt findet. Und nicht nur das, noch bedeutsamer war es, dass ich von einer Hebamme betreut werde, die mich versteht, in meiner Meinung und meinem Weg unterstützt, die mich sicherer macht. Letztlich hat sich einfach bestätigt, dass es nichts mehr braucht, als pures Urvertrauen in sich selbst und sein Kind. Dabei hat mich Anja mehr als liebevoll und einfühlsam begleitet, dass ich beim Reflektieren jedes Mal Tränen in den Augen habe. Ich bin einfach unendlich dankbar.
Da für mich ein großer Teil der Geburt die Betreuung in der Schwangerschaft ausmacht, nämlich auch WIE die Geburt verläuft und ob man sich sicher fühlt, möchte ich einige Worte zur Zeit vor Geburt verlieren. Leider haben so viele Menschen das Grundvertrauen in uns Frauen, die fähig sind unkompliziert zu gebären und dies in Ruhe und Geborgenheit, verloren, WEIL man schon im Anschluss des positiven Schwangerschaftstests mit Formularen, Tests und Untersuchungen konfrontiert wird, bevor man sich überhaupt auf das Kind freuen kann. Ich fand genau das einfach nur schrecklich.


Als ich schwanger war, machte ich gleich einen Termin im Geburtshaus zum Erstgespräch, weil ich wusste, dass man damit nicht allzu lange warten sollte. Vorher war ich bereits einmal beim Frauenarzt und fühlte mich überhaupt nicht wohl, brauchte aber dringend eine Bescheinigung für meinen Arbeitgeber, da ich mit Röntgenstrahlung arbeite. Und das erste Gespräch im Geburtshaus, wo ich auch Anja begegnete, bestätigte mir genau das, was ich mir vorstellte: hier werde ich entbinden! Ich fühlte mich sofort verstanden, auf einer Wellenlänge und total vertraut mit Anja und ebenfalls Chris war mir sympathisch, die mich fröhlich im Gang des Geburtshaus begrüßt hatte. Alles war so familiär...so normal...so bunt und lebhaft, irgendwie nicht zu beschreiben. Nachdem auch das Risikogespräch erfolgte und für mich kein Risiko bestand, entschied ich mich für eine größtenteils Hebammen-Betreuung. Meinen Frauenarzt habe ich anschließend gewechselt und wurde auch diesbezüglich super beraten, da ich leider, was die geteilte Vorsorge von Arzt und Hebamme betrifft, abgewiesen wurde. Schließlich ließ ich dann nur noch die drei Ultraschalluntersuchungen vornehmen und die restlichen Termine erfolgten bei Anja. Ich habe mich jedes Mal auf die Vorsorge gefreut, Anja hat von Beginn an mit meinem Kind Kontakt aufgenommen, ich fühlte mich wahr genommen und nicht als Patientin und wir führten viele Gespräche, die wichtig waren, um die Schwangerschaft nicht an mir vorbeiziehen zu lassen, sondern bewusst wahrzunehmen. Ein großes Thema war meine Angst, in einem Krankenhaus entbinden zu müssen. Ich wusste einfach: Krankenhaus und Jenny? Das geht schief! Durch meinen Beruf und die Nähe zur Medizin wusste ich einiges, mit dem ich gar nicht einverstanden war. Nur als Beispiel: Der Geburtstermin ist überschritten, und obwohl alles in Ordnung ist, schickt man die Frau spätestens nach 7-10 Tagen zur Einleitung? Medikamente für Mutter und Kind, plötzliche und heftige Wehen künstlich erzeugt, nur um" sicher zu gehen", dass auch ja "nichts passiert"? Wieso hat dann die Natur Hormone erschaffen, die durch das Kind ausgelöst werden und die Geburt in Gang setzen, wenn es an der Zeit ist? Für mich kam weder Einleitung, wenn es nicht einen dramatischen Grund gibt, noch Schmerzmittel, PDA in Frage.
Je näher der Geburtstermin rückte, desto engmaschiger wurden die Vorsorgen im Geburtshaus und ich fühlte mich niemals nicht sicher betreut. Irgendwann war dann der 27.10., mein errechneter Entbindungstermin, überschritten. Aber das war ja noch kein Grund zur Sorge, man hat ja 14 Tage. Irgendwann waren wir bei 7 Tage plus ET und ich wurde nervös. Ein Wehentee, ein Fußbad und auch Homöopathie wollten keine Wehen bis ET plus 9 auslösen, und ich hatte mit meiner Angst, nicht rechtzeitig Wehen zu bekommen, zu kämpfen. Also gab es am 5.11.den Wehencocktail. Um 8 Uhr getrunken, um 14 Uhr Kontrolle bei Anja im Geburtshaus und kaum dort weggefahren, setzten um 15 Uhr leichte Wehen ein, allerdings schon im Abstand von 3 Minuten. Wir gingen noch einkaufen und feierten jede Wehe. Genau dahin wurde ich in der Vorsorge geführt, die Wehe annehmen und das Kind loslassen. Um dieses besondere Ereignis zu feiern, nahm mir mein Mann beim Einkauf Lindtpralinen mit und ich setzte mich genüsslich schmatzend zu Hause in die Badewanne. Aha, die Wehen werden stärker, obwohl das Wasser gut tut und jetzt habe ich nur noch einen Abstand von 1,5 Minuten. Als Erstgebärende denkt man ja, man muss losfahren, sonst reicht es nicht mehr, aber man denkt es nur...
Um 19 Uhr schrieb ich Anja eine SMS, wie der Stand ist und sie freute sich, dass es endlich los geht. Um 20 Uhr hatte ich das Gefühl, ich würde es nie mehr aus der Wanne schaffen, geschweige anziehen. Essen ging auch nicht mehr, ich war mit Veratmen beschäftigt und fand es einfach nur toll, dass ich bald mein Kind in den Armen halten werde. Mein Mann vereinbarte mit Anja Treffen im Geburtshaus um 21 Uhr. Dort angekommen und überglücklich nach einer gefühlten "Höllenfahrt" - jedes Schlagloch und entgegen kommende Autolicht verfluchte ich, weil es so unangenehm war - hier zu sein, wurde mir erstmal so richtig schlecht. Aber was raus muss, muss raus. Wir waren erstmal eigenständig im Geburtshaus zu Gange und ich verarbeitete die Wehen, die laut Anja ja noch viel schlimmer kommen würden. Ziemlich schnell landete ich dann in der Wanne und blieb dort um die zehn Stunden. Die gegen 23 Uhr immer stärker werdenden Wehen waren dort gut auszuhalten. Im Vierfüßlerstand, Schneidersitz oder auf Knien feierte ich jede Wehe mit geschlossenen Augen. Ich finde es beeindruckend, wie weggetreten man ist, wenn man sich drauf einlässt, alles andere ausblendet und vorallem nicht wie in einem Krankenhaus ständig gestört und raus gebracht wird. Anja hat immer gewartet, bis eine Wehe vorbei war, um mich etwas zu fragen, mir Anweisung zu geben oder Tipps. Hin und wieder forderte sie mich auf, Wasser zu lassen und der Weg raus aus der Wanne zur Toilette war für mich immer der schlimmste, musste aber sein. Wieder von der Toilette runter kommen und zurück in die Wanne war dann, als die Nacht weiter fortschritt und die Wehen sich weiter auftürmten, eine Herausforderung. Stehen ging irgendwie gar nicht. Ich hatte immer das Gefühl möglichst weit runter zu müssen. Mein Mann konnte mir wenig helfen und das war auch nicht weiter schlimm, ich atmete und tönte vor mich hin und nahm immer wieder wahr, wie Anja oder die Hebammenschülerin Ela die Herztöne von Lucy kontrollierten. Irgendwann bekam ich starke Steißbeinschmerzen, die schlimmer waren als jede Wehe. Mit Seitenlagewechsel in der Badewanne auf einem Wannenkissen half mir Anja die Schmerzen auszuhalten. Irgendwann nach einem Toilettengang schaute Anja nach dem Muttermund und stellte fest, dass die Muttermundslippe nicht zurück ging und der Kopf deshalb nicht weiter vordringen konnte. Sie gab mir etwas Homöopathisches, was den Muttermund lockern sollte und wir mussten eine Weile warten. Währenddessen sollte ich in Seitenlage im Wechsel und mit Anja's Hilfe die Wehen im Liegen verarbeiten, um dem Kopf den Weg zu zeigen. Die Steißbeinschmerzen erreichten ihren Höhepunkt und ich hätte meinem Mann ins Bein beißen können, der daneben saß, weil es sich anfühlte, als würde es jeden Moment brechen (und mindestens angebrochen war es nach Geburt auch, denn ich spürte es noch Tage, eher Wochen). Anja massierte was das Zeug hält, damit ich zwischen den Wehen entspannen konnte. Das funktionierte auch. Im Stehen am Seil während einer Wehe, half sie dann der Muttermundslippe auf die Sprünge. Mit ihrerer Hand half sie nach und Lucy konnte nun endlich mit ihrem Kopf vorbei. Angenehm war es nicht, aber der Gedanke daran, dass ich jetzt im Krankenhaus mit Medikamenten zugedrönt worden wäre und es hier mit Anja ganz allein geschafft hatte, ließ in dem Moment alles verblassen. Nun kam Lucy im Geburtskanal weiter voran, die Fruchtblase platzte, nur ich kam irgendwie nicht mehr die Wanne. Mittlerweile war es vier Uhr und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich schon so lange vor mich hin arbeitete. Gerne wäre ich wieder in die Wanne gestiegen, jedes Mal Aufstehen kostete mich aber gefühlte unendliche Kraft, sodass ich doch lieber vor der Wanne blieb. Nun gab mir Anja genaue Tipps, wann ich in welche Position sollte, um Lucy es einfacher zu machen. Und genau das funktionierte IMMER, "Auftrag" ausgeführt, wenn auch manchmal nicht die Lieblingsposition und ich spürte, wie Lucy weiter rutschte. Ganz viel gebracht hat es, Kontakt mit meinem Kind aufzunehmen, sowohl von meinem Mann, als auch in Gedanken von mir. Immer wieder äußerte Anja, ich solle mein Kind loslassen, in Gedanken den Weg durch den Geburtskanal zeigen. Wertvolle Aussagen, die einiges leichter machten. In der Austreibungsphase blieben leider die Presswehen aus. Ich weiß nur noch, wie Anja sagte, dass sie der Meinung wäre, ich habe keine Wehen mehr und müsse nun selbst arbeiten. Irgendwie kaum vorzustellen, aber es geht. Die Gebärmutter machte nichts mehr, mein Kind auch nicht und ich musste alle Kraft zusammen nehmen, die Luft nach unten zu pressen. Ca.eine Stunde arbeitete ich was das Zeug hielt und spannte Bauchmuskeln an, drückte die eingeatmete Luft mit aller Kraft Richtung Scheidenausgang. Es müsste sieben Uhr gewesen sein, da stand nochmal ein Lagewechsel in den Stand und die Hocke an, als Anja mich fragte, wo ich denn mein Kind bekommen möchte. Mit der Frage war ich überfordert...Ich wusste, ich wollte immer in der Badewanne entbinden und hatte das auch in den Moment im Kopf, aber wie sollte ich da rein kommen? Hierzu antwortete ich nur "mir egal", worüber ich mich jetzt ärgere und lehnte auch einen Umzug ins andere Geburtszimmer ab, weil es mir einfach zu anstrengend war. Somit bekam ich einen Gebärhocker unter geschoben und brachte Lucy in den nächsten drei vier eigens erzeugten Presswehen zur Welt. Anja bremste mich noch, damit der Damm hielt, aber Lucy wollte ihren Siegeszug mit erhobener Faust begrüßen und das hielten Damm und Scheide leider doch nicht aus. Leider.

Um 7. 34 Uhr fing Anja unsere kleine Tochter auf und ließ sie auf die Unterlagen vor mir gleiten. Ich kam erstmal aus dem Staunen nicht mehr raus, mein Mann weinte mir ins Ohr und ich guckte dieses Wunder einfach nur an. Dann nahm ich meine Tochter zu mir, es fühlte sich so warm und klitschig, angenehm an, sie im Arm zu halten. Begrüßt wurden wir mit Schreien und Ausscheiden von Mekonium auf meinem Bauch. Herrlich, wenn alles funktioniert. Nach einer Stunde durfte ich die nun gelöste Plazenta rausschieben (Wehen hatte ich keine) und durchtrennte gemeinsam mit meinem Mann die Nabelschnur.

Wir zogen um ins andere Geburtszimmer und Lucy lag bei ihrem Papa auf der Brust während Anja meine Verletzungen nähte. Nach der U1 durch Anja und eingepackt in ihre erste Kleidung, konnten Lucy und ich den zweiten Stillversuch angehen. So richtig Lust hatte sie noch nicht, sie zog es vor zu Schlecken, denn bei mir lief die Milch schon von alleine. Gegen kurz vor elf verabschiedete uns Anja und wir fuhren als Eltern, einfach unglaublich, nach Hause.

Ein großer Wunsch ist in Erfüllung gegangen - wir konnten unsere Tochter in geborgener Umgebung mit grandioser Hebammen-Betreuung schon vor der Geburt in der Welt begrüßen.
Auch das Wochenbett, was bei uns nicht so einfach verlief, war mehr als super betreut.
Das Konzept im Geburtshaus ist super, und wenn deine Hebamme verhindert ist, hat eine andere Zeit für dich. Sie alle leisten grandiose Arbeit. Wir sind unendlich dankbar und bewundern ihre aufopferungsvolle Arbeit. Unsere Geburt wäre sicherlich nicht so natürlich und schön verlaufen, wenn wir diesen Ort nicht hätten wählen dürfen! "

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