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Geburtsbericht

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Geburt von Jara am 19.01.2017 zu Hause

Ein Geburtsbericht – Liest den überhaupt Jemand?

Was mich motiviert...

... drei wunderbare Geburtserlebnisse, zwei davon im Geburtshaus, das dritte Kind zu Hause im Kinderzimmer, jede davon einzigartig und prägend.
... dann auch die Stimmen der Kritiker und Zweifler, die vor dieser dritten Geburt in meinem Herzen und meinem Kopf soviel Raum eingenommen haben und mich letztlich auf meinem Weg mit existentiellen Ängsten umzugehen, gestärkt haben.
... aber auch die bestärkenden Worte und die Gewissheit: Ich habe die Kraft zu gebären.
...die Hoffnung, das ich mit dem sehr persönlichen Bericht anderen werdenden Eltern den Rücken stärken kann.
...das meine kleine Tochter nachlesen kann, wie ich die Geburt erlebt habe.
...das ich durch den Geburtsbericht meines ehemaligen Kollegen (und das war der erste positive Bericht von einem Vater, den ich überhaupt gehört habe) von der Möglichkeit erfahren habe, im Geburtshaus zu gebären- ein wichtiger Impuls für mich und meinen Partner.
... die tiefe Überzeugung, dass der Wunsch nach und die Entscheidung für ein selbstbestimmtes Gebären mit so wenig medizinischer Unterstützung wie nötig und möglich, das Recht einer jeden Frau sein sollte.
...die große Dankbarkeit darüber, dies mit eurer Unterstützung als Hebammen außerklinisch erleben zu können.

Als die Nacht am tiefsten ist...

Als die Nacht am tiefsten ist werde ich durch leichte Magenkrämpfe aufgeweckt. Mein kleiner Sohn wacht ebenfalls auf und wir verbringen im Halbschlaf aneinander gekuschelt noch drei schöne Stunden im warmen Bett, während draußen die Sonne aufgeht und Schnee und Eis zum funkeln bringt. Um acht Uhr beginnt unser Tag und ich gehe erstmal aufs Klo. Ich treibe meinen Partner zur Eile an – bring bitte die Kinder schnell in den Kindergarten – ich habe ziemliche Magen -Darm-Krämpfe – Vielleicht geht es heute los? Ich fand die Vorstellung, die großen Kinder in der Nähe zu haben gedanklich schön. Doch in diesem Moment kann ich ihre Lautstärke nicht ertragen und wünsche mir, dass ich bald einen Moment habe, um für mich klar zu werden und mich zu sammeln. Ich ignoriere den morgendlichen Trubel, gehe erst einmal unter die Dusche. Dort bleibe ich bestimmt eine halbe Stunde und lasse mir das Wasser auf Kopf und Steiß rieseln. Jetzt muss ich auch die ersten eindeutigen Wehen veratmen (keine Magen- Darm-Krämpfe ,-)).

Raus aus der Dusche, rein in die bequemen Kleider. Die großen Kinder sind mittlerweile in der Kita. Wenn alles gut läuft, können sie am Nachmittag bestimmt ihre Schwester begrüßen. Es ist 9:30 Uhr. Jetzt noch schnell zusammen das Kinderbett rausschieben und die Matratze mit Malerplane auf den Boden im auserwählten Raum – oder doch lieber im lichtdurchfluteten Wohnzimmer? Nein – die intimere Atmosphäre des Kinderzimmers soll es sein. Und dann ab auf die Matte – ach ja, stimmt ja – SOOOOOOOH fühlen sich echte Geburtswehen an. Es ist 10:30. Chris ist informiert und macht sich „langsam“ auf den Weg.

Der Tanz mit dem Wüstensturm

Doch dann werden die Wehen richtig heftig, ich brauche soviel Kraft um nicht zu pressen und bekomme ein bisschen Panik: Dieses Kind will raus und zwar schnell... bitte ruf nochmal bei Chris an, sie soll bitte kommen! 11:03 Uhr. Ich nehme einen tiefen Zug aus dem Riechfläschchen mit Geburtsöl – der Duft zerstreut die Panik, ich kann wieder tief atmen...tönen... atmen...fast keine Wehenpausen...kräftiger Pressdruck. Ich zweifle, ob der Muttermund schon weit genug geöffnet ist. Mein Partner stützt mich mit seiner Hand am Rücken und spricht sanft mit mir: Du schaffst das, gut so, weiteratmen, lang atmen, nicht pressen! Nicht pressen – das ist leider unvorstellbar. Ich bin hochkonzentriert. Die Fruchtblase springt, die Wärme tut gut. Ich empfinde eine tiefe Ruhe und bin in Trance. Auf die Gefahr hin, dass es blöd klingt: Ich entdecke das Tier in mir. Ich folge meinem Instinkt. Mein Körper setzt Kräfte frei. Weit entfernt die Klingel, Schuhe werden ausgezogen und dann Stimmen im Flur. Es ist 11:18 Uhr. Silke kommt herein „Hallo, ich bin Silke – lass mich in der nächsten Wehenpause noch die Herztöne abhören – dein Kind darf kommen, du kannst ja mal ans Köpfchen spüren – es fühlt sich ganz weich an. Welch ein Glücksgefühl! Ich will dieses Kind jetzt haben! Noch drei kräftige Presswehen, Kopf, Schulter und unser Kind liegt da und schreit kräftig. Ich bin befreit, überwältigt und kann es gar nicht fassen: So schnell ging das! Noch vor dem Mittagessen (11:23 Uhr)...und sooo klein ist ein Neugeborenes, das hatte ich ja völlig vergessen! Ich begrüße die Kleine und nehme sie von der Matte hoch zu mir. „Rasante Geburt von Jara“ wird später über Silkes Geburtsdokumentation stehen.

Zusammen ziehen wir auf die Couch um. Ich bewundere unser Baby, das stöhnend atmet und gnorgelt. Mein Partner ist jetzt erst mal beschäftigt (der Nachteil an der Hausgeburt im Vergleich zum Geburtshaus mit vollem Service). Er räumt die Plane weg und bringt warme Tücher, eine Wärmflasche für meine Füße, Waschlappen und Tee. Es ist so schön, dass wir auch diese Geburt wieder zusammen erleben durften. Silke begutachtet das Baby, saugt etwas Fruchtwasser aus Mund und Nase und beobachtet wachsam die Adaptation. Sie ruft vorsichtshalber aber doch lieber Chris an. Da ich meinen Sohn vor zweieinhalb Jahren zusammen mit Chris auf die Welt gebracht habe, freue ich mich, dass sie Jara begrüßen wird, auch wenn sie nicht unmittelbar bei der Geburt dabei sein konnte. Obwohl ich die Vorbesprechungen mit Chris hatte und Inna als Vertretung kennen gelernt hatte, habe ich bei Silke sofort ein großes Vertrauen gespürt.

Mein Gefühl ist, das mit meinem kleinen verknautschten Mädchen alles in Ordnung ist. Die Plazenta wird vollständig geboren. Mein Baby trinkt zum ersten Mal mit recht kräftigem Zug. Dieser tiefe Ausdruck in den Augen des Neugeborenen. Welch großartiges Gefühl sie so in meinen Armen zu halten. Mein Partner schneidet die auspulsierte Nabelschnur durch. Die Plazenta wird als Qualitätsware in den Tiefkühler befördert. (Ich werde Plazenta - Nosoden erstellen lassen).

Als Chris um 12:00 Uhr eintrifft ist unser Baby schon viel rosiger und die Atmung geht ruhiger. Sie macht Pipi und das Mekonium wird weggewischt. Silke führt die U1 durch und kontrolliert meine Blutung. Mein Kreislauf ist ok, ich habe überhaupt keine Geburtsverletzungen – nicht einen Kratzer - und kann begleitet durch Silke ins Bad gehen und mich sogar schon kurz abduschen. Dann will ich aber wieder zurück auf die Couch und mich mit Jara warm einkuscheln. Unvorstellbar, das es mal ein Leben ohne dieses Kind gab.

Zauberei im Kinderzimmer- Willkommen, kleiner Schmetterling

Jetzt findet auch endlich der Papa Zeit das Baby zu begrüßen. Verknautscht aber unglaublich klein und niedlich ist sie! Der Name Jara, der unter anderem „kleiner Schmetterling“ bedeutet, erscheint also ganz passend – sie wird sich in den nächsten Wochen noch entfalten, bestimmt.

Mein Partner holt die großen Brüder aus dem Kindergarten ab, solange bleibt Silke noch bei mir und schreibt fleißig an der Dokumentation. Um 14:00 Uhr bestaunen die beiden Jungs ihre kleine Schwester und sind sofort verliebt. Nach wochenlanger Lektüre von „Das Baby im Mamas Bauch“ waren sie fachlich gut vorbereitet und sehr neugierig – aber das hier nun eine echte lebendige Schwester liegt, das scheint Zauberei zu sein. Jara bekommt auch gleich die ersten Küsschen, die bis heute nicht weniger werden. Etwas verunsichert beobachten sie mich beim Veratmen der Nachwehen und ich muss jede Menge Fragen zum Geburtsgeschehen beantworten. Besonders fasziniert sind sie von der Nabelschnur, die noch ganz milchig-glasig aussieht und in der die Blutgefäße zu erkennen sind „Ihh, das ist eklig“. Mein Kleiner (der ab sofort der Mittlere ist) versucht derweil den ersten geschwisterlichen Vollkontakt mit Jara, das ist mir dann aber doch etwas zu wild für ein Neugeborenes. Die Großeltern kommen kurz darauf mit einer selbstgekochten Hühnersuppe (das war wohl weise Voraussicht, der errechnete Geburtstermin wäre eigentlich erst in sechs Tagen gewesen), begrüßen ebenfalls das Baby und nehmen dann die Geschwister mit ins Schwimmbad, so das wir Eltern noch etwas Zeit zum Ausruhen haben. Wir essen Suppe und es kehrt Ruhe ein. Ich schlafe ein bisschen zusammen mit dem müden Baby.

Am Abend kommt Silke nochmal vorbei und betreut mich dann auch die ersten Tage im Wochenbett, bis Chris übernimmt.

Danke und Herzensgrüße an euch Hebammen und den „Geburtshelfer“ – dieses schöne Geburtserlebnis wird uns im Leben immer wieder Kraft und Zuversicht geben!

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