Marlon Leander

Unsere Geburtsreise kündigte sich am Nachmittag mit leichten aber regelmäßigen Wehen an. Dies kannte ich von meinem ersten Kind und wusste, es muss nicht viel bedeuten. Ich nahm mir fest vor nicht zu früh ins Geburtshaus zu fahren, denn beim letzten Mal sollte es bis zur Geburt ab diesem Stadium noch 43h dauern und die Geburt nach Verlegung auf meinen Wunsch in der Klinik stattfinden.

 

Mit diesem Wissen verließen mein Mann und ich um 18:30 das Haus und fuhren ins Geburtshaus, wo wir von Catalina in eine ruhige Umgebung empfangen wurden und uns einrichten durften. Mein fester Begleiter: die Angst.

 

Angst davor, dass es wieder so lange dauern würde.

Angst, dass ich eine falsche Entscheidung getroffen hatte im Geburtshaus entbinden zu wollen.

Angst, dass mein Kind so groß ist, wie von der Gynokologin geschätzt.

Angst, dass es zu den am Tag zuvor (am ET) in der Klinik vorhergesagten Komplikationen kommen wird. 

Angst, dass ich es wieder „nicht schaffen“ würde. 

 

Mein Mann und Catalina ermutigten mich nicht aufzugeben, doch die Angst war stärker. Ich wollte ins Krankenhaus. Zwei gefühlt endlos wirkende Telefonate: kein Krankenhaus hat Aufnahmekapazitäten – pure Verzweiflung.

 

Ich hatte keine andere Wahl. Ich musste mich der Angst stellen. Mit dieser Erkenntnis und der Akzeptanz der Situation begannen die Wehen plötzlich mehr Druck zu bekommen und völlig ohne Komplikationen gebar ich unseren Sohn – im Geburtshaus, selbstbestimmt, ohne Dauer-CTG, Zugang oder PDA und in eigener Kraft. 

 

Nach der Geburt durften wir uns ganz in Ruhe alle zusammen im Bett eingekuschelt kennenlernen. Um 23:00 waren wir bereits wieder zuhause im eigenen Bett – so wie ich es mir immer gewünscht hatte.

 

Ich danke Catalina für ihren Mut die Verantwortung zu übernehmen, für ihre Zuversicht und die Sicherheit, die sie in jedem Moment ausgestrahlt hat. Diese Geburtserfahrung war so lehrreich und heilsam für mich. Und ich wünsche mir sehr, dass ich irgendwann noch einmal eine selbstbestimmte Geburt ohne Angst erleben darf in dem Wissen, dass es so wunderschön und unkompliziert verlaufen kann.

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