Ich bin sehr dankbar für meine wunderbare und faszinierende Geburtserfahrung. Sie hat mir gezeigt, wie viel Kraft, Mut und Vertrauen in mich selbst ich habe – und dass mein Körper genau dafür geschaffen ist.
Den Weg ins Geburtshaus habe ich gewählt, weil ich den Flow, den ich bei meiner zweiten Geburt erleben durfte, nicht verlieren wollte. Gleichzeitig suchte ich auch nach einer Art Heilung meiner ersten Erfahrung.
Bei meiner ersten Geburt im Krankenhaus erlebte ich beides: den wunderbaren Flow mit dem kraftvollen Hormoncocktail, der mir half, jede Welle gut zu nehmen – aber auch den Moment, in dem ich herausfiel und nicht mehr zurückfand. Plötzlich wurde es schwer, ich wollte nur noch, dass es aufhört. Am Ende rettete mich die PDA, und dennoch konnte ich diese Geburt als etwas Wunderschönes erleben. Rückblickend habe ich viel Positives daraus mitgenommen: Ich erfuhr, wie stark ich bin, was ich aushalten kann, dass mir in der Not geholfen wird. Und ich verstand die Frauen besser – diejenigen, die das Gebären als schwer empfinden, und jene, die es als leicht erleben.
Für meine zweite Geburt war mir klar: Dieses Mal wollte ich nicht wieder herausfallen. Also bereitete ich mich bewusst vor. Ich absolvierte den Online-Kurs Die friedliche Geburt, ging in den letzten Wochen täglich in Hypnose, suchte mir einen passenden Geburtsort und sprach offen mit meinen Hebammen über meine Ängste, Sorgen und Zweifel.
Nach einigen Vorzeichen war es dann eines Morgens um 8 Uhr soweit: Die ersten sanften Wellen begannen. Sie begleiteten mich den ganzen Vormittag – beim Spielen mit meinem Großen, beim Frühstück, das mein Mann liebevoll zubereitete, beim Organisieren des Babysitters und schließlich beim kuscheligen, ungewohnt frühen Mittagsschlaf mit meinem Sohn. Rückblickend war es wie ein stiller Abschied – das letzte Mal nur wir zwei, bevor er großer Bruder wurde.
Bei jeder Welle konzentrierte ich mich auf meine Atmung und versank mit Hilfe der Hypnose in Entspannung, unterstützt von meinen Kopfhörern.
Am Nachmittag brachten wir unseren Sohn zum Babysitter. Schon auf der Rückfahrt wurde es intensiver. Ich schrieb schnell eine Nachricht an meine Hebamme Anaïs, sie möge bitte schon den Pool vorbereiten. Zum Glück, denn kaum 20 Minuten später in Hagelloch – es war 15:40 Uhr – konnte ich keine zehn Meter gehen, ohne dass eine neue Welle kam. Dass ich nur anderthalb Stunden später mein Kind in den Armen halten würde, hätte ich niemals geglaubt.
Die Wellen wurden kraftvoller, doch ich konnte sie gut annehmen. Es war intensiv, aber es fühlte sich stimmig an. Ich hörte auf meinen Körper, bewegte mich mit, was im Pool besonders gut gelang. Die Hypnose half mir ebenso wie das laute, bestätigende Tönen und das feste Halten an meinem Mann. Dazwischen gab es Momente von Schläfrigkeit und Gähnen – mein Körper sammelte Kraft, wie Anaïs meinem Mann erklärte.
Die letzten Wellen waren noch einmal eine große Herausforderung. Nun spürte ich einen realen Schmerz im Rücken, der nur durch Gegendruck erträglich war. Ich musste meine Atmung anpassen, das tiefe Tönen über die gesamte Welle hinweg wurde notwendig. Und ich brauchte Mut und Vertrauen: Ja, es geht. Auch wenn es unglaublich erscheint – mein Kind passt da hindurch, alles wird heil bleiben. Es wird nicht wie beim ersten Mal sein, als die Schmerzen überwältigend wurden.
Vor der letzten Welle musste ich lachen. Ich war glücklich und erleichtert: Gleich würde Lukas da sein. Der Rückenschmerz ließ schon nach, und ich wusste: Ja, es ist möglich. So einfach, so machbar kann eine Geburt ohne Schmerzmittel sein. Und ja – ich kann das.
Mit der nächsten Welle war er da. Alles geschah in wenigen Sekunden: ein brennendes Gefühl, mein Ruf „Fangt ihn auf, er kommt!“, weil ich mich an meinem Mann festhielt und keine Hand frei hatte – und dann lag er auch schon in meinen Armen. So zart, so wunderbar. Lautstark protestierte er gegen die Kälte der Welt.
Ich war überwältigt von Glück. Diese Geburt war einfach, kraftvoll und klar. Ich brauchte Zeit, es zu begreifen, und spürte tief die Antwort auf den alten Glaubenssatz: Geburt ist immer schmerzhaft und schlimm. Nein – sie kann auch leicht sein, voller Vertrauen, voller Freude.
Gleichzeitig war ich unendlich dankbar für meinen gesunden Sohn. Ich sprach beruhigend zu ihm, hielt ihn fest und sagte: „Das kann ich verstehen, dass du dich beschwerst – hier draußen ist es so kalt.“
Alles, was danach kam, konnte ich bewusst und selbstbestimmt miterleben: das Auspulsieren der Nabelschnur, die Untersuchung der Plazenta, das erste Stillen, die Nachuntersuchung.
Ich bin Anaïs und den anderen Hebammen zutiefst dankbar – für ihre Unterstützung in Schwangerschaft und Geburt, für ihre Ermutigungen und auch für ihre Zurückhaltung in den richtigen Momenten.
Ich glaube, jede Frau trägt die Kraft in sich, so zu gebären. Wenn wir uns wieder mit diesem Ursprung verbinden, werden auch die negativen Geburtserfahrungen weniger. Und gleichzeitig – das ist mir wichtig – sollte sich keine Frau verurteilen, wenn es ihr nicht gelingt.
Denn auch schmerzvolle Erfahrungen gehören zum Leben. Sie stärken uns und lassen uns wachsen. Manche Frauen erleben sie während einer Geburt, andere in ganz anderen Situationen – etwa durch Krankheiten oder Schicksalsschläge. Es bedeutet nicht, dass wir etwas falsch gemacht haben. Ich glaube, es ist wichtig, diese Erfahrungen nicht zu verurteilen oder dagegen anzukämpfen, im Sinne von: „Das darf nicht sein.“ Sie sind Teil unseres Weges, und auch aus ihnen kann Kraft erwachsen.