Freyja-Madita

7.1.2018: Sonntag morgen (39+0 SSW)
Langsam war dieser gewisse Punkt einer Schwangerschaft gekommen, an dem es einfach nur reichte. Ich war bereit die Maus auf die Welt zu bringen, hatte von den ganzen unangenehmen Begleiterscheinungen die Schnauze voll und vom Warten sowieso.
Sonntag morgen trafen wir, meine Frau und ich, uns mit Chris im Geburtshaus wegen eben blöden Begleiterscheinungen. Dabei fühlte ich mich einfach nur noch unbeweglich. Alles (laufen, liegen, sitzen) tat weh und so fragte ich mich, wie in aller Welt es möglich wäre so ein Kind auf die Welt zu bringen?!
Katharina war bei diesem Treffen kurz dabei und durfte das Ultraschallgerät an mir und meiner Kugel ausprobieren. Wir kamen alle Mann in den Genuss die Maus beim knutschen mit der Plazenta und einmal sogar beim Kopf drehen beobachten zu können. Nachdem alles erledigt war wurden wir von Chris mit den Worten nach Hause geschickt, dass es nun endlich Zeit sei, die Maus live zu sehen.
Meinetwegen – ich war bereit.
Nur nicht heute. Für heute hatte ich keine Lust mehr.

Sonntag nachmittag:
Unser mittlerer Sohn stand mit guter Laune auf, meine Frau saß gut gelaunt auf der Couch und wollte gleich mal noch in die Badewanne, meine Schwester war zu Besuch , die Große spielte im Zimmer und ich war nach 10 Minuten Powernapping auf der Couch wieder erwacht. Es war eindeutig Zeit für einen Kaffee. Der Mittlere besuchte mich kurz auf der Couch, kletterte über Kugel und Beine und von der Couch wieder runter, da ergoss sich auf einmal schwallartig warme Flüssigkeit über meine Beine… und nochmal… und nochmal… und… und.. und…
Mein erster Gedanke: Die Couch! (Sie war nicht mal ½ Jahr alt)
Der zweite Gedanke: So viel kann unmöglich Pipi sein…?!
Und der Dritte: sch**** die Fruchtblase!
Reflexartig rief ich nach meiner Frau – jedoch bequem in der Badewanne liegend – dafür kam die Große um zu fragen was los sei… ob noch Shampoo ausgespült werden kann, geht auch fix? -Nein! … da war meiner Frau schon alles klar. Ein kurzer Blick unter die Decke bestätigte unsere Vermutung: die Fruchtblase war geplatzt und mein nächster Gedanke war: Warum gerade heute? Heute war ich so gar nicht darauf vorbereitet und einfach müde!
Auf der Couch im Nassen liegend rief ich erstmal bei Chris an… es war 16.40 Uhr Das weitere Vorgehen wurde besprochen, die Maus bewegte sich und alles war gut. Ich einigermaßen entspannt – weglaufen war schlecht möglich- und so ging das warten auf Wehen los.

Früher Abend/Abend:
Nachdem wir meine Schwester mir den Kindern spazieren geschickt hatten, war ich dazu bereit von der Couch aufzustehen. Ok- nicht aufstehen…rollen. Mit gefühlt 10 Handtüchern zwischen den Beinen – also realistisch so zwei- versuchte ich irgendwie den Weg ins Bad zu meistern. Dabei keine Spur zu hinterlassen war echt eine Kunst… und… genau… man konnte meinen Weg verfolgen. Um dieses seltsame Gefühl an den Beinen loszuwerden, nutzte ich die Wartezeit und ging erstmal gemütlich duschen. Was für eine Wohltat! Danach setzte ich noch mehrmals das Bad unter Fruchtwasser, musste selbst schon darüber lachen und zog die größte Unterhose an, die ich finden konnte. Handtücher brauchen schließlich Platz.So ein vorzeitiger Blasensprung ist doch etwas Herrliches.
Nach der Temperaturkontrolle (alles schick) freuten wir uns über die gewonnene Zeit. Es stand schließlich Arbeit an:
• Taschenkontrolle (ist für die Kinder WIRKLICH ALLES gepackt, wenn meine Eltern sie abholen, ist für das Geburtshaus WIRKLICH ALLES vollständig?)
• Die Couch! Gott sei dank Ikea… wir konnten sie direkt abziehen und waschen.
• Das Schlafzimmer: Beistellbett wurde gerichtet, Stubenwagen fertig bezogen und ins Wohnzimmer gebracht….
Die Wohnung war also bereit… und mein Körper fing an sich mit regelmäßiger werdenden Wehen ganz langsam auf die Geburt vorzubereiten.
Und was passiert: Panik bei meiner Frau! … Vielleicht geht ja doch alles ganz schnell und wir verpassen irgendwas? Nach einem kurzen Telefonat meiner Frau um 19.10Uhrr mit einer entspannten Chris, die mit vielen lächelnden und beruhigenden Worten antwortete, war sie etwas entspannter. Ihr war nun klar, dass wir dann losfahren wenn ich es möchte. Dabei war ich gerade die Ruhe in Person und vollkommen überrascht darüber.
… und das Fruchtwasser? Lief mit jeder Wehe… und mit jeder Wehe wurde der Handtücherberg größer.
Nach dem wir unseren Umzug ins Geburtshaus vorbereitet und alle Taschen im Auto verstaut hatten war es Zeit für das Abendessen und dafür, die Kinder seelisch und moralisch auf den anstehenden Kurztrip zu den Großeltern vorzubereiten. Der Mittlere holte erstmal seine Schuhe und wollte direkt los….so wollte er bisher nie seine Schuhe anziehen.
Als ca. 21.30Uhr meine Eltern die Kinder abholten war ich so langsam froh, dass alle die Wohnung verließen. Still stehen und dabei nicht atmen fiel mir langsam schwer…. Jaaaaaa allen Umständen und dem Vormittag zum Trotz wollte ich mich bewegen und konnte es mir auf einmal nicht mehr vorstellen irgendwo zu sitzen, geschweige denn zu liegen.
Nach einer kurzen Beschreibung meines Zustandes via Whatsapp zu Chris um 22.00 Uhr, die mir riet mich zu entspannen und Kraft zu tanken mit Wärmflasche im Rücken oder Badewanne, wollte ich doch erstmal lieber meinem Bewegungsdrang nachgeben.

Sonntag später Abend:
Spazieren gehen mit geplatzter Fruchtblase und dann im Winter? Jeder, der schon mal eine nasse Hose hatte, wird dieses Dilemma verstehen… naja… ich hatte mir ja die größte zu findenden Unterhose angezogen…. Also gingen wir los.
Beim Spazieren wurden die Wehen kontinuierlich stärker und kamen in immer kürzeren Abständen… aber so schnell, dass wir uns nach kurzer, in dem Moment unendlich lang wirkender, Wegstrecke zur Umkehr entschieden. So froh war ich schon lange nicht mehr unsere Wohnung zu sehen.
Darauf folgten wir Chris Rat und beschlossen es wenigstens mit Couch und erholen zu versuchen… dabei unterschätzte ich wie unangenehm ich Sitzen in diesem Moment fand… und die Wärmflasche? Die sorgte einfach nur dafür, dass die Wehen stärker wurden… dafür wurden immerhin für 2 Wehen die Abstände etwas länger…. Aber nur um sich dann bei allen 3-4 min einzupegeln.

8.1.2018: Montag… frühe Nacht:
0.30 Uhr hatte ich die Schnauze mal wieder voll… ich war jetzt schon müde, bekam beim Gedanken an eine Autofahrt von 25 min beinahe Schnappatmung und wollte los. Schließlich hatte ich ca. alle 3 min Wehen, konnte im Sitzen kaum Atmen, dachte das Kind kommt jeden Moment und ein Baby im Auto bekommen? No way!
Also weckten wir Chris um 0.37Uhr und verabredeten uns auf 1 Uhr im Geburtshaus.
1.10Uhr wurden wir von einer beruhigenden, entspannten, erstaunlich wachen Hebamme begrüßt. Im Türrahmen eine Wehe veratmend nahm ich war, dass überall Kerzen brannten und eine warme, heimelige Atmosphäre herrschte. Es war alles bereit…
Nachdem meine Frau mit Chris das Bett bezogen hatte, war es Zeit das erste Mal nach dem Muttermund zu Tasten.
Yeah. 2-3 cm
Ganz ehrlich…. Ich war enttäuscht. Das bei DEN Wehen, DEN kurzen Abständen und meiner jetzt schon vorhandenen Müdigkeit? Und dafür hatten wir Chris geweckt?
Naja… jetzt waren wir schonmal da, also stellte sich die Frage, wie wir alles ein bisschen voran bringen könnten…. Die Badewanne war eingelassen, trotzdem war mir mehr nach bewegen…
Irgendwann klingelten die Worte in meinem Ohr, dass Badewanne ja gut sein soll und ich irgendwann mal Chris gegenüber erwähnt hatte offen für alles zu sein bzw. es wenigstens zu versuchen. Also entschied ich mich für die Badewanne. Es war 1.55 Uhr.
Da kniete ich dann also eine gefühlte Stunde später (jaaaaaa der Weg erschien mir weit mit mehreren Wehen) in der Badewanne, freute mich mal wieder über das Gefühl warmen Wassers auf der Haut und merkte wie sich meine Blase kontinuierlich füllte. Es begann eine Kletterpartie über den Badewannenrand zur Toilette, auf der ich sitzend Chris beim Arbeiten beobachten konnte… dass ich dabei wegen der Badewanne nur mit Handtuch bekleidet war, spielte keine Rolle… wenn überhaupt.
Das Wasser tat seine Wirkung. Die Wehen wurden stärker, kamen alle 3-4min, ich begann zu Tönen und gleichzeitig schlug mein Kopf immer mehr Alarm – ich wollte mich bewegen und bekam immer mehr Panik vor jeder Wehe. Die Wehenabstände wurden auch wieder kürzer und kamen jetzt alle 2-3min.
Also stieg ich 3.10 Uhr aus der Wanne, zog mir ein Nachthemd und eine noch größere Netzhose an und begann durch das Geburtshaus zu tigern. OK…. Zu wandern…oder doch eher zu schleichen.
Auf Chris Vorschlag versuchte ich mal den Ball, die Wehen kamen immer noch alle 2-3 min… aber irgendwie schien mir der Türrahmen doch attraktiver. Meine Frau und ich waren viel unter uns. Sie leitete mich immer wieder zum Atmen an, aber da mit jeder Wehe meine Panik größer wurde eiin schwieriges Unterfangen. Mein Kopf spielte verrückt. Nach jeder Wehe war vor jeder Wehe… die Wehe gehen zu lassen, wie man es mal gehört hatte, fiel mir schwer… was hatte ich mir nur dabei gedacht? Das erste Kind bekommen und dann gleich im Geburtshaus? War ich vollkommen größenwahnsinnig geworden? Ich war müde… einfach nur müde…. Die Wehenabstände wurden nicht länger, mir tat alles weh und mein Körper und mein Kopf schrien nach Entspannung, wenigstens für ein paar Minuten…. Nur wie?!
Meine Frau machte mir zwischen den Wehen immer wieder Mut, erinnerte mich daran, dass ich das wollte, dass ich bleiben will, es bereuen würde zu gehen und ich begann jede Wehe motiviert und bekam am Ende doch wieder Panik….
Ich bat Chris um Hilfe…. Sagte ihr was los ist und sie empfahl mir, mich in jeder Wehe gedanklich an einen sicheren Ort zu begeben, der für mich Öffnung bedeutet. Das kam mir sogar unter Wehen aus dem Vorbereitungskurs bekannt vor und ich versuchte dankbar und mit neuer Motivation mein Glück.
3.35 Uhr war mein Muttermund bei 4 cm, verkrampfte sich unter den Wehen und Chris empfahl mir Buscopan und Spascopreel als Zäpfchen zu versuchen so wie ein paar Wehen im Bett zu verbringen. Das wollte ich erstmal nicht, bekam ein Kirschkernkissen und sollte tiefer Tönen.
4.00 Uhr legte ich mich dann doch ins Bett und versuchte etwas auszuruhen auf der linken Seite… 20 min später kamen die Wehen wenigstens nur noch alle 3-4min. Lang hielt ich es mal wieder nicht aus, die Toilette rief (Wahnsinn wieviel Zeit ich dort in der Nacht verbracht habe), der Türrahmen hatte danach nichts an Attraktivität verloren und am Ende landete ich in Seitenlage rechts im Bett…. aber ich fühlte mich etwas ruhiger.
4.50 Uhr müsste ich mal wieder… genau… auf Toilette. Diesen Raum bezog ich dann auch für eine ganze Weile, wozu der Weg, wenn das Gute so Nah ist. Außerdem freute ich mich über die nur eine Armlänge entfernte Wandstange, da konnte ich mich so gut ranhängen. Der Druck nach unten nahm auch immer mehr zu und ich war… wie die ganze Nacht schon müde. Zum Glück hatte Chris Cola parat, für den kleinen Energiekick zwischendurch sozusagen… ich hatte vergessen wie gut die Nix-Light-Variante schmeckt auch in diesem Ambiente.
Stück für Stück nahm der Drang pressen zu wollen zu und um 5.15 Uhr war ich bei anstrengenden 7-8 cm.
Nicht viel später begann ich das erste Mal während der Geburt mit meiner Tochter zu sprechen und flehte sie an endlich zu kommen. Ich wollte nicht mehr und war bereit dafür alles zu tun, dass sie schneller kommt… auch wenn das bedeutete sie mit Worten hervorzulocken. Vielleicht hilfts?

Montag morgen:
Gegen 6.00 Uhr zogen wir zurück ins Geburtszimmer. Im Bett wurde erneut getastet… die Kleine schien sich noch nicht so ganz sicher zu sein, wie sie denn durch mich durchrutschen könnte, Sie bewegte immer noch ihren Kopf und schien Party in meinem Bauch zu machen. Es begann ein Drehen auf Links, auf Rechts…. Ich fühlte mich wie bei einem Marathon… in der Hoffnung, dass es hilft.
Als Chris mir um 6.20 Uhr endlich eröffnete, dass sie Katharina zur Geburt eingeladen hatte, freute ich mich insgeheim sehr… das Wort Geburt aus ihrem Mund klang so Nah… als hätte ich es fast geschafft und es dauert nicht mehr lange! JUHU. Also Ende in Sicht.
Als wir das erste Mal mit dem Spiegel das Köpfchen sehen durften, war das eben erwähnte Gefühl trotz aller Müdigkeit sehr greifbar. Sie hatte Haare, dunkel aussehende Haare, die man spüren konnte.
Etwas später wechselte ich vom Bett auf die Matte vor dem Bett…. Katharina war zwischenzeitlich angekommen, was ich wie hinter einem Schleier wahrnahm.
Auf dem Boden angekommen wechselte ich trotz Presswehen mehrmals die Position…. In der tiefen Hocke durfte ich das Köpfchen sehen und fühlen, wie es immer näher kam. Ich presste mit so gut ich konnte, meine Frau motivierte mich… und es half. Sie sollte jetzt kommen!
7.29 Uhr wurde der Kopf der kleinen Freyja-Madita geboren und in derselben Wehe auch der Körper. Ich war so überrascht über dieses Ereignis, dass ich meine Tochter überrollt von all dem Geschehenen an mich heranzog und einfach nur festhielt. Sie schaute mich mit ihren wachen Knopfaugen an und es war klar, dass wir uns in diesem Moment in sie verliebt hatten.
Meine Frau und Chris halfen mir ins Bett und wir genossen in aller Seelenruhe unser Glück.

Das erste Anlegen, die U1, der Fußabdruck, das Untersuchen der Plazenta, das erste Anziehen und noch vieles mehr… alles in Ruhe und doch so aufregend und neu… so aufregend, dass wir am Ende gemeinsam im Geburtsbett eingeschlafen sind. Was war das für eine Wohltat nach der Nacht.
4h später verließen wir gestärkt nach einem tollen Frühstück mit unserer kleinen Tochter das Geburtshaus in Richtung nach Hause. Am Fenster des Geburtszimmers standen eine lachende Chris und eine genauso lachende Katharina…. Das Laufen für den Catwalk muss ich einfach noch üben.
Zuhause angekommen bezog ich mit unserem jüngsten Familienmitglied das Bett… wir kuschelten weiter, genossen das neue Gefühl und freuten uns auf den nächsten Besuch von Chris.

Ich möchte mich bei euch nochmal ganz herzlich bedanken… für die Geduld, das zuhören und die emotionale Begleitung vor der Geburt… dem Verständnis dass ich doch so früh ins Geburtshaus gekommen bin, dabei hättest du Chris doch noch schlafen können…. Danke für das selbstverständlichste Gefühl auf der Welt während der Geburt…. Nichts schien unmöglich nichts peinlich oder unangenehm, ich fühlte mich geborgen und keine Sekunde alleine. Danke für den Freiraum den wir hatten und dass ich entscheiden konnte was mir guttut.
Die Geburt meiner kleinen Tochter war das verrückteste, verunsichernste, und am Ende großartigste was ich erleben durfte…mit euch zusammen. Und ich würde sie jederzeit im Geburtshaus wiederholen.

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